WS 3000
Die WS 3000 im Test 7/2000 von "Caravaning"

Die Zeitschrift "Caravaning" verglich 3 Schlingerdämpfer in ihrer Ausgabe 7/2000.
Mit freundlicher Genehmigung der "Caravaning" geben wir hier den Vergleichstest wieder.
 

Test-Spezial
Schlingerdämpfer im Vergleich

 

Vertrauen ist gut, Kontrolle besser

Schlingerdämpfer halten den Anhänger besser unter Kontrolle. CARAVANING hat das aktuelle Marktangebot auf Herz und Nieren getestet.

Mit 1300 Kilo Caravangewicht am Haken stürmt der Nissan Primera über den Testparcours. Ruckartig reißt der Gespannpilot bei Tempo 100 sein Lenkrad zur Seite und gleich wieder zurück in Geradeausstellung. Wie vor einem spät erkannten Hindernis. Der sechs Meter lange Reisecaravan schwankt bedenklich von einer Seite zur anderen. Erst beherztes Bremsen bringt den schwankenden Koloss zur Räson.
Mit einem Schlingerdämpfer wäre das Manöver glimpflicher abgelaufen. Verbesserte Dämpfsysteme rücken jetzt nach: AKS 2004 von Alko und SSK-3 von Westfalia; sie bilden zusammen mit dem schon länger eingeführten WS 3000 von Winterhoff ein schlagkräftiges Trio zugunsten der Fahrsicherheit. Pendeldämpfung, Nickdämpfung und Bedieneigenschaften dieser drei Typen werden hier eingehend beurteilt und bewertet.
Das taugliche Mittel zum Zweck bei allen drei Systemen: Bremsbacken umklammern unter Federdruck energisch die Kupplungskugel zwischen Zugwagen und Caravan. So werden Pendelbewegungen schon im Ansatz gedämpft. Das Leas-System (Caravaning 7/98) betätigt die Radbremsen, sobald der Anhänger deutliche Pendelbewegungen vollführt - ein zusätzlicher Schutz.
 


Nissan Primera und Südwind 550 beim Pendeltest
 


Die Montage nimmt nur wenige Minuten in Anspruch

Mit den hier getesteten Schlingerdämpfern kann die kritische Geschwindigkeit, bei der ein Hänger sein Pendeln nicht mehr von selbst abbaut, um bis zu 30 Prozent nach oben gerückt werden - völlig verhindert wird das Pendeln aber nicht. Der Klammereffekt genügt jedenfalls, um das Gespann schon bei üblichem Fahrtempo mit Wohnwagen stabiler in der Spur zu halten. Zu jeder Caravangröße sind Schlingerdämpfer daher ein sinnvoller, oftmals schon serienmäßiger Zusatz. Diese Erfahrung haben die drei Probanden voll bestätigt: Pendeldämpfung sehr gut.

Schlingerdämpfer sollten aber mehr können: über Bodenwellen wird der Caravan wie ein Schiff bei schwerem Seegang zu starken Nickbewegungen angeregt. Seitlich im Kupplungsmaul angebracht, sind die Reibbeläge dabei aber nur begrenzt hilfreich - ein typisches Beispiel: der AKS 2000 von Alko. Im Vergleich zum neuen 2004 ist seine Pendeldämpfung zwar ebenfalls erstklassig, nicht jedoch seine Nickdämpfung. Vertikale Schwingungen baut der AKS 2004 wirksamer ab. Zwei zusätzliche Bremsbacken im Kupplungsmaul sind der Garant dafür.
 

So testet CARAVANING

Die CARAVANING-Sensorik misst nicht nur Stabilitätsschwächen von Zugwagen und Caravan. Auch Schlingerdämpfer lassen sich auf die Weise objektiv beurteilen: Bei 90 Kilometer pro Stunde wird das Testgespann (Nissan Primera Kombi/Knaus Südwind 550) durch definiertes Anreißen der Lenkung ins Schlingern gebracht. Die Schlingerkurven entstehen mittels eines Drehratensensors.

Wie stark er beim Versuch ausschlägt, registriert parallel dazu ein Querbeschleunigungssensor. Den Ergebnissen wird zum besseren Vergleich jeweils gegenübergestellt, wie der Caravan ohne Schlingerdämpfer unter identischen Bedingungen pendelt (siehe Seite 71). Komfort- und Handlingmessungen mit den drei Schlingerdämpfern ergänzen die Pendelmessung. Auch die Bedieneigenschaften fließen in die Beurteilung ein.


Die Gewichtsprobe - Standard vor jedem Fahrtest



Wie gut Schlingerdämpfer auch Nickschwingungen verhindern, hat CARAVANING im Test auf öffentlichen Straßen subjektiv ermittelt - Bester hierbei: der AKS 2004

 
Westfalia setzt bei seiner renovierten SSK-3 auch weiterhin auf zwei seitliche Bremsbacken. Die Folge: Das Gespann neigte auf der Holperpiste stärker zu Nickschwingungen, die auch die Lenkgenauigkeit negativ beeinflussten. Allerdings fühlten sich die Primera-Insassen mit der SSK-3 komfortabler abgefedert als mit der AKS 2004; sie teilt kürzere und härtere Schläge an den Zugwagen aus.
Einen guten Kompromiss liefert der WS 3000 D von Winterhoff. Zwar hat er nur zwei Bremsbacken in Längsrichtung, doch diese arbeiten offenkundig besonders effektiv. Neben der sehr guten Pendeldämpfung glänzt er mit guter Nickdämpfung, die aber nicht ganz an die Leistungen des AKS 2004 heranreicht.

AKS und WS 3000 sind am besten bedienbar

Beim Ankuppeln genügt dem Alko-System eine Hand. Ein farbiger Stift gibt klar zu erkennen, dass die Kupplung ein- oder ausgerastet ist. Der Kupplungsgriff ist am bekannten Schlingerdämpfer AKS 2000 jedoch handlicher zu fassen als am 2004. Wegen der höheren Lastaufnahme - 2700 statt 2000 Kilo Anhängergewicht - bleibt der 2000er weiter im Programm. Der Spannhebel für die Reibbeläge muss bei beiden mit einiger Kraft nach unten gedrückt werden.
 

So geht das Fett weg

Die hier getesteten Schlingerdämpfer machen sich die relativ raue Metalloberfläche der Kupplungskugel zunutze: Ihre Reibbeläge packen sie von mehreren Seiten und straffen so den gelenkigen Verbund von Zugauto und Anhänger. Eine schützende Farbschicht (zum Beispiel Dacromet) auf der unbenutzten Kugel verhindert jedoch den optimalen Zugriff. Erst wenn sie abgeschliffen ist, kann der Dämpfer optimal arbeiten. Schlimmer noch, wenn Fett an die Kugel gelangt ist; es glättet auch die Reibbeläge. Was tun? Alko: Reibbeläge tauschen. Westfalia: Spiritus verdünnt oder Schleifpapier (Körnung 100 bis 120), gegebenenfalls auswechseln. Winterhoff: Spiritus oder Waschbenzin, nachbehandeln mit Schleifpapier (Körnung 200 bis 240).

Daten

 

 

Alko
AKS 2004

Westfalia
SSK-3

Winterhoff
WS 3000

Preisempfehlung

DM

560

489

499

Gewicht

kg

4

4,2

4,8

Gehäuse-Material

 

Guss, Dacromet- beschichtet

Guss mit Gleitbeschichtung

Guss, galvanisch verzinkt

Reibbeläge

Anzahl

4

2

2

Reibkraft

Nm

um 275

um 280

um 250

Anhängelast (max.)

kg

20001)

3000

27002)

Stützlast (max.)

kg

100

150

150

Verschleißanzeige

 

vorhanden

vorhanden

vorhanden

Haltbarkeit3)

km

50000

15000 und mehr

50000

Anprallschutz

 

vorhanden

vorhanden

vorhanden

Diebstahlschutz

 

extra

extra

extra

1) Typ AKS 2000 bis 2700 kg; 2) Erhöhung auf 3000 kg möglich; 3) Voraussichtliche Verschleißgrenze der Bremsbacken bei normaler Nutzung (Herstellerangabe). Vertriebsnachweis: Alko, D-89359 Kötz; Westfalia, D-33378 Rheda-Wiedenbrück; Winterhoff, D-58335 Breckerfeld

 
Der Westfalia-Schlingerdämpfer SSK-3 verlangt beim Ein- und Aushaken der Gasfeder zwei Hände. Eine Farbmarkierung seitlich am Gehäuse, die auch als Verschleißanzeige dient, zeigt, ob richtig angedockt wurde. Gut zu sehen ist sie dort allerdings nicht. Der seitliche Handhebel der SSK ist ideal bei Geländewagen, deren Reserverad tief an der Hecktür hängt. Bei AKS und WS 3000 muss mitunter vor dem Ankuppeln erst die Hecktür geöffnet werden. Ein weiterer Vorteil: Der halbrunde Anprallschutz gibt beim engen Rangieren mehr Sicherheit als die schmaleren Polster der Konkurrenten. Ein Manko aber: Zum Spannen der Gasfeder darf man den SSK-Hebel nur mit dem Handballen vorschnellen lassen, sonst können Finger geklemmt werden.

Ankuppeln mit nur einem Handhebel

Der Winterhoff WS 3000 D (das D steht für die Universalausführung) hat keinen gesonderten Kupplungsgriff, man lässt das Kupplungsmaul einfach auf der Kupplungskugel einrasten. Ein kleiner seitlicher Sicherungshebel schnellt beim Ankuppeln nach oben. Beim Abkuppeln wird er gedrückt.
Fazit: drei Schlingerdämpfer zum Nachrüsten, alle drei sind zu empfehlen. Das Gespann wird damit fahrstabiler. Nur in Sachen Nickdämpfung hält der SSK-3 nicht mit. Auch wegen der schlechteren Bedienung erhält er einen Punktabzug.
 

Einzelwertung

Alko
AKS 2004

Westfalia
SSK-3

Winterhoff
WS 3000 D

Merkmale: Je zwei in Längs- und Querrichtung auf die Kupplungskugel gepresste Reibbeläge sollen Pendel- und Nickbewegungen im Ansatz dämpfen. Mechanische Federn und Handhebel zum Herstellen des Anpressdrucks.

Merkmale: Zwei in Querrichtung auf die Kupplungskugel gepresste Reibbeläge sollen Pendeln und begrenzt auch Nicken im Ansatz dämpfen. Gasfeder und Handhebel zum Herstellen des Anpressdrucks.

Merkmale: Zwei in Längsrichtung auf die Kupplungskugel gepresste Reibbeläge sollen Pendeln und Nicken im Ansatz dämpfen. Mechanische Federn und Handhebel zum Herstellen des Anpressdrucks.

gut Bedienung: Der große rote Spannhebel muss vor dem Ankuppeln schräg nach oben weisen (Anpressfeder entspannt). Kupplungsgriff hochziehen und ankuppeln, Spannhebel bis zum Anschlag nach unten drücken. Einhandbedienung, jedoch höherer Kraftaufwand. Verschleißanzeige gut erkennbar.
Reibbeläge tauschen: Betrifft nur die seitlichen Bremsbacken (Set 36,80 Mark). Zeitaufwand: um zehn Minuten.

befriedigend Bedienung: Schwarzen seitlichen Spannhebel vor dem Ankuppeln nach hinten schwenken und Gasfeder ausrasten. Kupplungsgriff hochziehen und ankuppeln, dann Gasfeder einrasten, Spannhebel beim Vorschwenken nicht voll umgreifen: Klemmgefahr. Keine Einhandbedienung. Beim Spannen anfangs höherer Kraftaufwand. Verschleißanzeige etwas verdeckt.
Reibbeläge tauschen: Bremsbacken-Set 45 Mark. Zeitaufwand: um zehn Minuten.

gut Bedienung: Der schwarze Handhebel muss vor dem Ankuppeln schräg nach oben weisen. Kupplungsmaul aufsetzen und ankuppeln; kein Kupplungsgriff. Dann Spannhebel nach unten drücken. Einhandbedienung, mittlerer Kraftaufwand. Beim Abkuppeln Sicherungshebel drücken. Verschleißanzeige gut erkennbar.
Reibbeläge tauschen: Betrifft nur die vordere Bremsbacke (Set 40 Mark). Zeitaufwand: um zehn Minuten.

gut Fahrstabilität: Dämpft Pendelbewegungen sehr gut. Ohne AKS 2004 unter identischen Bedingungen mangelhafte Fahrstabilität.

gut Fahrstabilität: Dämpft Pendelbewegungen gut. Ohne SSK-3 unter identischen Bedingungen mangelhafte Fahrstabilität.

gut Fahrstabilität: Dämpft Pendelbewegungen sehr gut. Ohne WS 3000 unter identischen Bedingungen mangelhafte Fahrstabilität.


Dank AKS klingt Hängerpendeln scheller wieder ab


Im Pendeltest ist der SSK-3 dem AKS 2004 fast ebenbürtig.


WS 3000: griffiger Hemmschuh für pendelnde Anhänger.

gut Nickdämpfung: Sehr gute und straffe Dämpfung vertikaler Stöße. Nur geringer Störeinfluss auf die Lenkung (Nissan Primera im Test).

befriedigend Nickdämpfung: Zufriedenstellende Dämpfung vertikaler Stöße. Leichte Störimpulse auf die Zugwagenlenkung (Nissan Primera im Test).

gut Nickdämpfung: Gute Dämpfung vertikaler Stšße. Geringer Störeinfluss auf die Zugwagenlenkung (Nissan Primera im Test).

befriedigend Fahrkomfort: Auf unebener Fahrbahn dringen kurze, harte Vertikalstöße zu den Insassen vor.

gut Fahrkomfort: Auf unebener Fahrbahn nur geringe Stoßbelästigung in den Sitzen.

befriedigend Fahrkomfort: Auf unebener Fahrbahn leichte Stoßbelästigung in den Sitzen.

TESTURTEIL

Sehr empfehlenswert

TESTURTEIL

Empfehlenswert

TESTURTEIL

Sehr empfehlenswert

Wertung: gut = gut befriedigend = befriedigend mangelhaft = mangelhaft

Autor: Wolfgang Hecht, Fotos: Regenscheidt, Pankok/factum

Seite druckenSeite drucken